Warum ich beim Reisen gerne schummle (und wann die Grenze überschritten ist).

veröffentlicht von Sarah am 5. Mai 2015

Psst!

Schummeln beim Reisen. Geht das überhaupt? Gibt es beim Reisen ein richtig und ein falsch?

Diese Frage kam mir, als ich das Buch Abenteuer Deutschland – Mit dem Pferd von der Zugspitze nach Sylt gelesen habe.

Sechs Reiter sind dabei acht Wochen lang unterwegs durch ganz Deutschland. Herausgekommen ist ein grandioser Bildband. Der Initiator dieser Reise ist Fotograf mit dem Ziel, seine Heimat auf eine neue Art und Weise durch die Kamera zu erleben und festzuhalten.

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Das ist ihm durchaus geglückt und du kannst in dem Bildband traumhafte Fotografien finden.

Die Reise selber aber hat mich fragend zurückgelassen.

Wie abenteuerlich ist es, mit dem Pferd zu reisen, wenn alle Unterkünfte von einem im PKW mitfahrenden Teammitglied organisiert werden?

Wie naturnah reise ich, wenn eben dieser PKW einen Hightech Trailer mit sich zieht, der neben Steckdosen für die Smartphones auch genug Platz für Feldbetten bereit hält, sollte das Wetter zu schlecht zum Zelten sein?

Wie selbstbestimmt reise ich, wenn jeden Abend für mich gekocht und mir vor dem Losreiten beim Aufräumen geholfen wird?

Ich möchte damit jetzt auf keinen Fall das Projekt in irgendeiner Weise schlecht reden. Doch gerade nach dem vorherigen Lesen von Land und Lotte oder gar Vagabonda war ich von Pferdewanderungen anderes gewöhnt.

Und da stellt sich mir die Frage: Gibt es ein richtig und ein falsch? Haben die sechs Wanderreiter bei ihrer Reise geschummelt? Und wenn ja, mache ich das nicht auch?

Schummeln beim Wandern mit Pony

Ich plane nämlich gerade eine Reise durch die Sächsische Schweiz. 10 Tage zusammen mit Egon, begleitet von einer lieben Leserin und ihrem Pony. Kann doch nicht so schwer sein. Dachte ich.

Motiviert haben wir uns tolle und ponytaugliche Strecken überlegt, nur um dann gesagt zu bekommen, dass im Nationalpark Sächsische Schweiz das Führen (!) von Pferden verboten ist. Ich meine: Was?!

Egon wiegt maximal 150 Kilo, die im Gegensatz zu einem kräftigen Menschen auf vier statt zwei Beinen verteilt ist. Wirklich schnell sind wir nicht unterwegs. Da wir nur breite Wege laufen wollen, sind wir auch kein Hindernis für andere. Und für die Hinterlassenschaften der Hotties habe ich eine Faltschaufel dabei.

Liebes Sachsen: Wo ist da euer Problem?

Nun gut, wir haben dann die Strecke umgeplant. Laufen wir halt einen ganzen Tag entlang einer Hauptstraße. So schnell wollten wir uns nicht abschrecken lassen.

Nachdem die neue Route stand, ging es um das Organisieren von Unterkünften. Der neu auserkorene Weg führt größtenteils auf einem Reitweg entlang (ist schließlich die einzige Möglichkeit mit Pferd durch die Sächsische Schweiz zu kommen. Und ja, genau dieser Reitweg führt an der Straße entlang).

Da sollte man doch meinen, dass Wanderreitstationen uns aufnehmen können.

Ranch Eschwege

Von fünf angefragten Höfen (wir wollen auf manchen zwei Nächte bleiben), kamen direkt zwei Absagen.

„Anfang Juni haben wir Gruppen auf unserem Hof und daher keine Kapazität mehr für weitere Gäste.“

„Wegen unseres Hoffestes, haben wir in dem von Ihnen gewünschten Zeitraum leider keine Kapazitäten.“

Auch auf meine Bitte, dass wir wirklich nur eine Wiese bräuchten und dort gerne unseren eigenen Wanderreitzaun und Zelt aufbauen würden, wurde nicht eingegangen.

„Promotion über Social Media Kanäle ist eh nicht unser Ding.“ Super, die haben ja total verstanden, was ich mache. Nicht. (und nein, ich wollte die Unterkunft nicht kostenlos.)

Und genau in so einem Moment, macht das Planen der eigenen Tour irgendwie keinen Spaß mehr. Du planst und tüftelst, planst um und tüftelst neu, nur um dann die Tour doch irgendwie verschieben zu müssen. Hoffentlich. Denn so richtig viel Zeit wann anders habe ich nicht. (Update: Inzwischen haben wir die Tour 2 Wochen nach vorne verschoben und lassen uns zwischendurch eine Strecke mit dem Anhänger fahren. Am 16. Mai geht es los.)

Wandern mit Pferd

Und genau deswegen werde ich dieses Jahr auch beim Reisen schummeln. Und freue mich darüber.

Im Juni geht es für Timo, Egon und mich nach Brandenburg. Und ach, da ist alles so viel einfacher. Nicht nur, dass wir dort überall mit Pony langlaufen dürfen.

Die Reise wird für uns auch komplett vom Bundesland Brandenburg geplant.

Kein aufwändiges Aussuchen der Unterkünfte. Kein ständiges Umplanen der Route. Keine Angst, dass die Strecke nicht pferdetauglich oder gar langweilig ist.

Wir müssen einfach nur mit Auto und Hänger nach Brandenburg fahren, dort 5 Tage wandern und anschließend zurück fahren.

Der Nachteil?

Irgendwie fühlt sich das nicht so wirklich abenteuerlich an. Es ist fast zu behütet. Zu einfach.

Doch ganz ehrlich: Bevor ich dieses Jahr gar keine langen Touren laufe, lasse ich mir gerne von Bundesländern helfen. Die wissen wenigstens genau, welche Strecken sich wirklich lohnen. Und kriegen sicher auch nicht so schnell eine Absage von Unterkünften.

Pferde Unterkunft

Neben Brandenburg werde ich auf diese Weise auch Hessen, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern besuchen.

Ich freue mich schon riesig!

Natürlich sind diese Touren kein reiner Urlaub für mich, sondern die Bundesländer erwarten als Gegenleistung auch eine bestimmte Berichterstattung. Das bedeutet: Live Berichterstattung von den Wanderungen, dafür sorgen, dass jeden Tag genügend Foto- und Videomaterial entsteht und im Anschluss ziemlich direkt ein ausführlicher Blogpost.

(Ja, das ist Arbeit. Manchmal sogar richtig stressige.)

Arbeiten beim Wandern

Und klar: Irgendwie sind solche Reisen nicht so verwegen wie eine „Ich laufe jetzt einfach drauf los“-Tour. Ich mache im Prinzip jetzt genau das, was ich bei dem Buch Abenteuer Deutschland kritisiert habe. Ich schummle. Ich lasse andere die Vorarbeit für mich machen. Und vergebe damit die Chance, meine eigenen Organisationsfähigkeiten zu stärken.

Karte lesen

Doch ich finde, manchmal darf man auch schummeln, oder?

Und darf nicht jeder letztlich so reisen, wie er möchte? Ist eine Reise, die von jemand anderem organisiert wurde, weniger wert?

Wie siehst du das? Schreib mir doch einen kurzen Kommentar – ich würde mich freuen!