Mein ganz besonderer Meditationslehrer

veröffentlicht von Sarah am 1. Juli 2014

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Früher habe ich immer gesagt, ich hätte noch nie meditiert. Ich hätte noch nie meine Gedanken komplett gestoppt und mich nur auf den Moment konzentriert. Seit gestern weiß ich, dass das nicht stimmt. Ich meditiere schon ganz lange. Sogar mehrmals in der Woche. Nur habe ich bisher einfach nicht gecheckt, dass ich es tue.

Wie stellst du dir meditieren vor? Welches Bild hast du vor Augen? Ist es eine im Schneidersitz verharrende Person, die sich minutenlang nicht bewegt? Oder jemand, der immer und immer wieder ein Mantra aufsagt? Das waren zumindest bislang meine Vorstellungen.

Doch seit gestern ist mir klar, dass es auch ganz anders geht. Und auch viel unbewusster.

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Beim Meditieren kommt es darauf an, die Gedanken auszuschalten. Was einfach klingt, ist in Wirklichkeit verdammt schwer. Wenn ich mich morgens im Schneidersitz auf den Boden setze und dabei versuche an nichts zu denken, schießen mir plötzlich tausend Gedankenschnipsel in den Kopf. Überreste eines Gespräches, meine To-Do-Liste, Traumfetzen, Zukunftsängste. Mein Kopf will einfach nicht seine Klappe halten.

Ich dachte, das wird nie was mit der Meditation und mir. Wir sind einfach zu unterschiedlich. Leise und laut. Ruhig und aktiv. Zufrieden und ängstlich. Fast hatte ich befürchtet, ich kann die Wirkung von Meditation nie richtig spüren.

Doch jetzt weiß ich, dass das gar nicht stimmt.

Du brauchst einfach den richtigen Meditationslehrer

Jemand, der dir hilft, dich nur auf das Jetzt zu konzentrieren. Der dich alle andere Gedanken vergessen lässt. Jemand, dem du vertraust, der dir aber auch mal einen kleinen Arschtritt verpassen kann.

Und mit so einem Partner meditiere ich nun schon fast ein Jahr lang, ohne es überhaupt bemerkt zu haben.

Meditationslehrer

Dabei sitzen wir nicht etwa ruhig nebeneinander. Nein – wir bewegen uns. Wir sind zwei Individuen und doch miteinander verbunden. Drehen uns nach links, drehen uns nach rechts und vergessen dabei die Welt um uns herum.

Mit meiner Atmung steuere ich seine Bewegungen. Je ruhiger ich atme, desto ruhiger wird auch er. Je mehr ich auf ihn achte, desto mehr achtet er auch auf mich. Ich versuche zu fühlen, was er fühlt. Versuche ihm nur mit meinem Körper eine Richtung vorzugeben.

Er merkt sofort, wenn ich mit den Gedanken woanders bin. Dann stoppt er oder geht einfach weg. Unser kleiner Tanz zerfällt und ich bin gezwungen, wieder neu zu beginnen. Er ist ein harter Lehrer. Übersieht keinen Fehler und verzeiht keinen schlechten Tag.

Schon zu Beginn unserer Meditation zeigt er mir, wie ich mich fühle. Bin ich ruhig oder innerlich aufgewühlt? Mit dem Gedanken anwesend oder ganz weit weg? Er zwingt mich zum Durchatmen. Er hilft mir, für die Zeit unserer Übung alle Probleme zu vergessen.

Wir meditieren nie lange. 10 oder 15 Minuten maximal. Das ist völlig ausreichend. Wenn unsere Meditation vorbei ist, merke ich, wie ruhig ich geworden bin. Ich merke, wie unwichtig all meine Sorgen und Probleme waren und wie leicht sich mein Kopf plötzlich anfühlt. Ich spüre, wie verbunden wir miteinander sind. Und ich spüre, dass er immer nur mein Lehrer und nie mein Eigentum sein wird.

Andere Menschen begreifen nicht, dass wir meditieren. Ich habe es ja selber erst jetzt so richtig verstanden. Wir erfassen eben oft nur das, was wir sehen und nie das, was wir fühlen. Für andere werde ich immer nur ein Mensch und er immer nur ein Pferd sein. Andere sehen nur das Seil, das uns verbindet, aber nicht meine Gedanken. Egon sieht sie immer. Für ihn bin ich nicht einfach nur ein Mensch, sondern das Konstrukt meiner Empfindungen und Gedanken. Ich trage meine Gefühle wie Kleidung vor meinem Körper.

Trotzdem würde er mich nie verletzen. Er fordert mich genau dann, wenn ich mit den Gedanken woanders bin und belohnt mich, wenn er meine positive Energie spürt. Er weiß, wie es mir geht, noch bevor ich es selber spüre.

Danke an den besten Meditationslehrer der Welt!

Meditationslehrer-Pferd

Header-Foto von Philippe Put
Beitragsfoto von Kyle Lease